Historisches Nachrichtenblatt der Familie ROCHOLL

Nummer 31   |   Pfingsten 1941

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Originalgetreuer Text des historischen Nachrichtenblattes der Familie ROCHOLL

Nummer 32   |   Weihnachten 1941

Siehe Hinweis bzgl. der Darstellung dieses NaBl in den News 003

Nicht fort, sondern hinauf sollt ihr Euch pflanzen.

Nietzsche

Im Auftrag des Reichsschrifttumskammer habe ich folgendes (in vorgeschriebenem Text) mit erster Gelegenheit bekannt zu geben:

"Die Kriegswirtschaft erfordert die stärkste Zusammenfassung aller Kräfte. Diese Konzentration macht es erforderlich, daß mit dem heutigen Tage das Nachrichtenblatt der Familie Rocholl sein Erscheinen bis auf weiteres einstellt, um Menschen und Material für kriegswichtige Zwecke frei zu machen."

Um die Verbindung innerhalb der Familie wenigstens in bescheidenen Grenzen aufrecht zu erhalten, werden künftig gelegentliche Mitteilungen an die Familienmitglieder erfolgen. Diese bis zum Wiedererscheinen unseres Blattes kommenden Nachrichten sollen später gesammelt gedruckt werden, um die unterbrochene Blattfolge zu vervollständigen. Die vermehrten Kosten wird der Familienverband auf sich nehmen. Jedenfalls liegt keine Veranlassung vor, die bisherigen Zahlungen einzuschränken oder gar einzustellen.

Richard Rocholl

Gefallen in Rußland

    Nun hat der Krieg im Osten auch aus unserer Familie zwei wertvolle Opfer gefordert. Die eingegangenen Anzeigen lauten:

      Mein geliebter Mann, unser lieber Pappi, Rechtsanwalt

Dr. jur. Frank ROCHOLL,

    Leutnant in einem Inf.-Rgt. ist am 2. Juli im Alter von 32 Jahren bei einem Spähtruppenunternehmen für sein Vaterland gefallen.

      In tiefer Trauer: Lieselotte ROCHOLL geb. Wellmann, Dieter und Barbara ROCHOLL. Kassel Wilh., den 14.07.1941, Schloßteichstraße 15.

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      Mein einziger Sohn

Gottschalk Ludwig ROCHOLL,

    Abiturient, Kriegsfreiwilliger, Gefreiter und Truppführer in dem Kradschützen-Btl, der Vorausabteilung einer schnellen Panzer-Div., eingegeben zum E.K.II, ist am 05.10.1941 im eben vollendeten 20. Lebensjahre bei Tschebuschi, westl. Wjasma, gefallen. Begeistert und von hohen Idealen erfüllt, folgte er dem Befehl des Führers zum Kampfe gegen den Bolschewismus für des Vaterlandes Ehre und Freiheit.

 

    Sein besonderer Stolz war es, einer seit Kriegsbeginn höchst bewährten Division, die den Ehrennamen Gespensterdivision trug, anzugehören. Vorgesetzte und Kameraden schildern ihn als unerschrockenen, schneidigen Kameraden, mit ausgezeichneten soldatischen Eigenschaften.

    Bei dem unaufhaltsamen frontalen Vorgehen gegen ein Waldstück, nach erfolgtem Durchbruch im Rücken des Feindes, traf ihn und zwei seiner Kameraden aus nächster Nähe das tödliche Geschoß aus einem hervorragend getarnten Widerstandsnest. Er fan die letzte Ruhe an der Straße im Dorf Tschebuschi zwischen Jelna und Wjasma gelegen. In tiefer stolzer Trauer: Erich Rocholl, Major, z.Zt. Radevormwald, im November 1941.

    Die große Familie der RADER ROCHOLL ist stolz auf ihre beiden Helden, dankt ihnen für ihr tapferes Einsetzen im Kampf um Deutschlands Freiheit, wofür sie ihr Leben ließen, und wird ihnen ein treues Andenken bewahren.

Andere Träger des Namens ROCHOLL

von Richard ROCHOLL

3. Fortsetzung

Stamm 4: ROCHOLL aus Freienohl, kath.

 

Freienohl, östlich Arnsberg i. W., bildet die Heimat eines größeren selständigen Stammes ROCHOLL, der mit anderen der gleichen Gegend nicht zu verbinden war. Die anliegende Übersicht, die ich rechtzeitig habe herstellen lassen können, veranschaulicht in der Ausgangstafeldie Urfamilie ROCHOLL und in der Anschlußtafel die spätere Familie Rocholl.

Die ersten Reihen der Ausgangstafel sind zum Teil auf Vermutungen aufgebaut, die dem Wunsch entsprachen, ein Bild darzustellen, wie sich die Urfamilie entwickelt haben könnte. Nach den bescheidenen Eergebnissen der zum Teil lückenhaften Kirchenbücher war es nicht anders zu malen. Die Anmerkungen zur Ausgangstafel erläutern etwas die gezogenen Schlüsse.

Von der Anschlußtafel steht lediglich der kleine Zweig HUMPERT genannt ROCHOLL in einem Verwandtschaftsverhältnis zur Urfamilie, und zwar durch Abstammung von der 1. Gattin des Stammvaters Michael SCHÄFFER, einer geborenen ROCHOLL. Die Hauptfamilie dieser Tafel dagegen stammt aus 2. Ehe SCHÄFFER mit einer HEINEN, ist mithin mit der Urfamilie überhaupt nicht blutsverwandt, trägt daher – wenigstens nach heutigen Begriffen – den Namen ROCHOLL zu unrecht und müßte eigentlich SCHÄFFER heißen.Es liegt also hier ein sehr ähnlicher Fall vor, wie in Müschede, wo die ganze Familie ROCHOLL heute BLUME genannt werden müßte. Kein Anlaß ist spürbar für den Namenswechsel in Freienohl. Allein die Tatsache, daß Michael SCHÄFFER in 1. Ehe mit einer ROCHOLL verheiratet war, scheint die Veranlassung gewesen zu sein, daß SCHÄFFER den Namen ROCHOLL annahm oder von seinen Zeitgenossen so genannt wurde.

Die Familie wohnt heute hauptsächlich in Freienohl. In der 2. Hälfte des vorigen Jahrhunderts und auch in neuerer Zeit fanden einige Abwanderungen in nördlichere Industriegegenden Westfalens statt. – Zum Schluß sein noch erwähnt, daß unser bewährter Mitarbeiter Landesrat Karl FIX in Münster i.W. dankenswerterweise einige Funde über Rocholl dortiger Gegend in den Steuerbüchern des alten Herzogtums Westfahlen im Stadtarchiv Arnsberg machte. so wird 1685 in Freienohl in der 3. Klse ein ROCHOLL ohne Vornamen zu 18 Gr. Steuer herangezogen, "dessen Fraw" zu 9 Gr., und zugleich wird in der untersten Klasse (der Armen, dar von nichts zu bekommen") ein Peter ROCHOLL angeführt. Das erstgenannte Ehepaar könnte IIc gewesen sein, während der Peter nicht zu vermuten war, weil in den Kirchenblättern kein ROCHOLL mit diesem Vornamen vorkommt.

Und viele andere werden noch folgen.

Urlaub aus Afrika

Nach 7 Monaten Einsatzes in Afrika habe ich für ein paar Wochen Erholungsurlaub nach Deutschland. Heimat! Was bedeutet dieses Wort nicht alles für uns "Afrikaner"! Fluren und Wälder, Flüsse und Seen, Städte und rauchende Schlote, deutsche Menschen und all die Errungenschaften der Zivilisation, die wir so lange entbehren mußten. Schnell versinken die Dinge, die noch wenige Tage vorher dem Leben ihre Stempel aufdrückten: die sengende Hitze des Tages, die empfindliche Kälte der Nacht, der unerbittlliche Sandsturm, der Wassermangel, nicht zuletzt die Eintönigkeit der Landschaft. – Manchmal , wenn man auf Urlaub im Rundfunk die wohlbekannte Ansage hört: "... mit Richtstrahler nach Afrika", gehen die Gedanken zurück und voraus zu den Kameraden mit ihren Zelten und Panzern dort unten in der ewig weiten Wüste.

Ich werde oft gefragt: "Was war eigentlich das Größte, was Du dort unten erlebt hast?" – Es gibt da nur eine Antwort: "Die Panzerschlacht bei Sollum!" – Damals waren wir in einer mondhellen Juninacht alarmiert worden, um den Tommy, der uns bis weit hinter Tobruk vertreiben wollte, im Gegenangriff zurückzuschlagen. – Spät nachts erreichten wir mit unseren Panzern den Bereitstellungsraum. Schlaf wurde, wie so oft, klein geschrieben, denn schon im Morgengrauen traten wir an, um die englischen Panzergeschwader, die in der Flanke der im Raum Sollum stehenden deutschenund italienischenTruppen gemeldet waren, zurück zu werfen. – Bald trafen wir auf den Feind. In harten, mehrmaligen Stößen wurden die zahlenmäßig überlegenden englischen Panzer zurückgeworfen. An diesem Tage stehhen Hunderte von Panzern im Kampf. Der Einbruch der Dunkelheit zwingt zur Unterbrechung des Gefechts, doch mit dem ersten Büchsenlicht geht es weiter. Wieder wird der Gegner hart angepackt. Langsam beginnt er zu weichen. Schon am Vormittag ist sein linker Flügel geschlagen.Dieser Tag war einer der heißesten, die wir in Afrika erlebten. Gegen Mittag ist es kaum noch in den Panzern auszuhalten. In der letzten Nacht hatte die Feldküche nicht vorgekonnt, so daß wir nichts zu trinken bekommen hatten. Wir waren daher gezwungen, unseren Durst mit dem lauwarmen, salzigen Wasser aus den Kanistern zu stillen. – Die Luft flimmert vor Hitze, über 600 Meter verschwimmt alles vor unseren Augen. – Nachmittags treten wir nochmals an. Bald haben wir den Halfaya-Pass und damit die von den Engländern eingeschlossenen deutschen Truppen erreicht. Noch hält sich ein Teil der Engländer. Mit seinen stärksten Panzern versucht er es zum letzten Mal. Und wieder greifen wir an. Fast alle Tommys bleiben im Feuer unserer Waffen liegen. Am nächsten Tag wir dem Gegner bei der Verfolgung manche Schlappe beigebracht.

Am Abend dieses Tages kehren wir überglücklich, wenn auch totmüde, hungrig und drecküberkrustet, im Vollgefühl des Sieges mit unseren Panzern heim. –

Der Abteilung, der ich angehörte, hatte keinen Panzer verloren, dagegen 36 feindliche zur Strecke gebracht. –

Trotz aller Strapazen: es waren für mich die größten Tage in Afrika!

Im November 1941

 

Nachtrag.

Der Urlaub endete in der Heimat am 19.  November 1941 und sollte mit einem fünftägigen Aufenthalt in Rom seinen Abschluß finden. Aber es kam anders. Bei Ankunft in Rom waren die neuen Kampfhandlungen ausgebrochen, da rief die Pflicht und hieß es schnellstens zurück zur Truppe. Es ging ohne Aufenthalt nach Brindisi, mit Flugzeug am Sonntag, den 23. November nach Athen und noch am gleichen Tage weiter nach Derna.

gez. Rolf ROCHOLL

Oberleutnant in einem Panzer-Regiment

Richard ROCHOLL

Stand der anderen Träger des Namen ROCHOLL nach Nachrichtenblatt 31

hierzu die Freienohler Familie mit 

zusammen:

448

    211

659

Familiennachrichten

111 h   Herr Ernst ROCHOL, Apotheker, Oelde i.W., und Frau Katharina geb. WITTHUT am 03.11.1941 ein Sohn Hans Eberhard

  (Stammhalter)

Eheschließungen:

120 b   Herr Erich ROCHOLL, Fabrikant, Radevormwald, und Fräulein Dorothea Brösel aus Radevormwald am 16.10.1941

187 𝖨a  Herr Wilhelm R, Verwaltungsinspektor, Berlin, und Fräulein Liselotte Weißmam 31.05.1941 

  57 c    Frau Clara Rocholl geb. v. LANGENSCHWARZ, Wwe. des Landesgerichtsdirektord Otto Rocholl, am 29.05.1941 in

   Köln, 75 Jahre alt.

112 a    Frau Helene MOOREN geb. Rochol am 28.04.1941 in Bochum, 77 Jahre alt.

116 f    Herr WilliRourney, Fabrikant zu Barmen, Gatte der Elisabeth g. Rocholl, am 06.09.1941, 66 Jahre alt.

140 c   Herr Rechtsanwalt Dr. jur. Frank Rocholl aus Kassel, Leutnant in einem Inf.-Rgt., gefallen in Rußland am 02.07.1941,

   32 Jahre alt.

169 c   Herr Gottschalk Rocholl aus Radevormwald, Gefreiter in einem Kradschützen-Btl., gefallen in Wjasma am 05.10.1941,

   20 Jahre alt.

161 𝖨a   Herr Regierungsdirektor i.R. Dr. jur. Arnold Rocholl, Berlin-Lankwitz, am 15.05.1941, 73 Jahre alt.

Todesfälle:

Geburten:

Mitteilungen

Es wir an die Zahlung  des Mitgliedbeitrages für 1942 erinnert. RM 5,– bzw. RM 2,–. Zu diesen Nachrichten gehört eine Stammtafel Freienohl und eine Bildbeilage.  

 
Historisches Nachrichtenblatt der Familie ROCHOLL

Nummer 33   |   Pfingsten 1942

NaBl 33 Stamm 5 Rocholz aus Neviges S2.p
NaBl 33 Stamm 5 Rocholz aus Neviges S1.p
 
Historisches Nachrichtenblatt der Familie ROCHOLL

Nummer 34   |   Weihnachten 1942

 
Historisches Nachrichtenblatt der Familie ROCHOLL

Nummer 35   |   Pfingsten 1943

 
Historisches Nachrichtenblatt der Familie ROCHOLL

Nummer 37   |   Pfingsten 1944

Historisches Nachrichtenblatt der Familie ROCHOLL

Nummer 36   |   Weihnachten 1943

Hinweis HR: Bei der Bildbeilage handelt es sich zum einen um eine Fotographie des Enkels des Oberregierungsrates Hermann ROCHOLL, Martin Bunge (1923, X 1943) der in Charkow 20-jährig gefallen ist (Fam.-Gesch. [0908801] und zum anderen um div. Fotos über Rolf ROCHOLL Sohn von Richard ROCHOLL (Fam.-Gesch. [1201103]. Fotos siehe jeweils dort.

 
 
Historisches Nachrichtenblatt der Familie ROCHOLL

Nummer 39   |   Weihnachten 1946

Historisches Nachrichtenblatt der Familie ROCHOLL

Nummer 38   |   Weihnachten 1944

 
 
Historisches Nachrichtenblatt der Familie ROCHOLL

Nummer 40   |   Weihnachten 1947